07.10.04

Elfriede Jelinek

Graz, 1979.
Uraufführung "Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte".
Wir waren mit der Schule dort, im Rahmen einer Exkursion zum Steirischen Herbst.
Im Anschluss an die Aufführung ein kurzes Treffen unserer Klasse mit Elfriede Jelinek. Die Möglichkeit der persönlichen Diskussion. Ich war beeindruckt von dieser Frau, leider sprachlos vor Schüchternheit, wie häufig zu dieser Zeit, in diesem Alter.

Und ich schämte mich in Grund und Boden für die Fragen, die fielen.

"Finden sie es nicht etwas anmaßend, sich an die Fortführung des gekonnten Stückes ("Nora oder ein Puppenheim") eines Weltdichters (Henrik Ibsen) zu wagen? Meines Erachtens auch eine sehr flache Weiterführung dieser Geschichte" - die Deutschlehrerin mit strengem Gesicht.

Und der Naturgeschichtslehrer: "Wieso stehen sie uns Männern so negativ gegenüber. Sie sind a so a hübsches Madl. Und wir Männer können wirklich ganz lieb sein. Und man muss ja auch Kinder kriegen als Frau, da braucht man halt uns Männer." Dazu dieser unverhohlene Ausdruck im Gesicht, als ob er sie jetzt am liebsten gleich flachlegen würde, die Elfriede, und als ob das auch bestimmt das Beste ist, was ihr je passieren könnte. Mich amüsiert über ihre kühle Antwort: "Wenns ums Kinderkriegen geht, bevorzuge ich die künstliche Befruchtung".

Mich freut, dass sie jetzt Nobelpreisträgerin ist.

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Posted by L9 at 19:15 | Comments (1)