Comments: Bekommen

Was für schöne Zeilen aus was für schöner Zeit!

Was war denn der beruflich/soziale Stand Deiner Grosstante? Es interessiert mich nämlich welche Frau um 1900 Sätze wie "Frei sein heisst Vorurteile nicht anerkennen" schreibt, oder "Und weshalb wäre denn die Sehnsucht in uns gelegt, wenn es keine Erfüllung gäbe?".

Ich bin hin und weg. Freue mich sehr für Dich.
Meine Ahnen waren ja leider nur alkoholisierte Bauern.
Gibt es eine Möglichkeit, uns ab und zu mit ein paar Sätzen aus diesem Buch zu beglücken?

und dann: "Ich schäme mich plötzlich. Ich hätte Torio nicht so fremd werden dürfen."
was für Sätze... (verzeih mir bitte meine Schwärmerei)

Posted by mek at 13.04.06 09:06

Ich schließe mich mek einfach an!

Ich finde auch den Anglizismus aus dem Jahre 1907 sehr interessant.

Posted by j?! at 13.04.06 09:55

Was für Gedanken, was für eine Sprache in diesen wenigen Zeilen. Ich würde auch liebend gerne mehr davon lesen.

Posted by blue sky at 13.04.06 10:14

Das ist ja toll. Ich find es großartig, wenn man nach so langer Zeit den längst verstorbenen Verwandten nahe kommt und sehen kann, was sie bewegt hat und wie ihr Leben war. Ich hab die Aufzeichnungen meines Urgroßvaters über sein Leben und die Familie, die sind von unschätzbarem Wert für mich.

Posted by Ruth at 13.04.06 10:29

unglaublich daß du soviel aus der vergangenheit deiner familie in den händen hälst. durch ständiges umziehen und anderen zwischenfällen bin ich nicht mal mehr im besitz meiner eigenen vergangenheit.
hüte es wie einen schatz.

Posted by schoko-bella at 13.04.06 10:55

Oh bitte:

Was ist aus ihr geworden?
Warum musste sie weinen, als sie das Brautkleid fand?
Wer war Torio?
Ist sie nur 42 geworden oder endet das Tagebuch da nur?
Oder sollte ich nicht so indiskret fragen?

Ja und der Anglizismus: Hatte sie was mit England zu tun? Damals war doch eher französisch angesagt, oder?

Wie schön, dass du das bekommen hast.

LG Katrin (Hallo Ruth!)

Posted by Katrin at 13.04.06 11:06

Wenn sie 1907 schon verheiratet war, dann wird sie 1949 doch wohl älter als 42 gewesen sein ;-)

Mich beeindruckt auch, dass das ganze mit Schreibmaschine geschrieben ist. Finde ich ungewöhnlich, oder ist es das nicht?

Posted by Stefan at 13.04.06 11:59

Ja, ich habe mich sehr gefreut über das Geschenk.
Zur Schreibmaschine – die gab es zwar zu dieser Zeit bereits, aber das Originaltagebuch wurde meines Wissens mit der Hand geschrieben. Großtante Lia hat es meiner Großmutter (ihrer Schwester) vermacht und meine Tante, die Schwester meines Vaters, hat das Tagebuch in den späten 70ern mit Schreibmaschine abgeschrieben. Damals wollte ich es schon lesen, es gab aber nur 5 Exemplare und allzu viel Kontakt habe ich leider nicht mit der väterlichen Verwandtschaft. Als ich sie das letzte Mal traf habe ich sie darauf angesprochen - und jetzt hat sie mir eine Kopie davon geschickt. Freude!

Mek fragt nach beruflichen und sozialen Stand. Mein Urgroßvater war Italiener, ist vorletztes Jahrhundert nach Kärnten gegangen und hat als Baumeister eine Baufirma gegründet. Die Famile war und ist immer noch sehr reich. Leider ist der Reichtum nicht bis zu mir durchgesickert, ich entstamme dem „verarmten“ Zweig der Familie - verkrachtes Unternehmertum (oh Gott, hoffentlich liest mein Vater das jetzt nicht – Papaaa???). Wie auch immer, die Familie war sehr gebildet und wohlhabend und die Mädchen (auch meine Großmutter) lernten Sprachen, Klavier und was man sonst so braucht als höhere Tochter, um am Heiratsmarkt der gehobenen Gesellschaft zu bestehen. Meine Großmutter hat mal gemeint im Krieg, als es allen sehr schlecht ging „Hätten sie mich doch Schreibmaschine lernen lassen oder Sachen, mit dem man Geld verdienen kann anstatt Klavierspielen und den ganzen anderen Schnickschnack“.

Von Großtante Lia weiß ich wenig, aber ich brenne darauf das Tagebuch zu lesen.

Posted by L9 at 13.04.06 17:14

ICH sichere mir augenblicklich die Rechte für etwaige TV Schmonzetten.....obwohl das Ganze eher nach Drama klingt...wait and see!!!!

Posted by Dugo at 13.04.06 19:37

wunderschön, solche erinnerungen. mein exfreund (schlesischer abstammung) hat das tagebuch seiner oma bekommen. das fiel allerdings weniger idyllisch aus, da seine familie zu den heimatvertriebenen gehörte... sie schrieb ganz offen und ehrlich über vergewaltigungen auf der flucht undundund. sehr drastisch.
in meiner familie hat dagegen noch nie wer geschrieben. schade eigentlich.

Posted by c17h19no3 at 13.04.06 23:31

Wundervoll und unbezahlbar.
Auch eine Art von Unsterblichkeit.

Posted by kaltmamsell at 14.04.06 10:13

heute würde sie sicher ein feines Weblog führen, die Großtante :-)

Posted by mariong at 14.04.06 18:54
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