25.11.05

Zombiefisch

So - alles erledigt.

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Die Tooncam ist betriebsbereit. Jetzt muss ich mich sputen, dass ich mein Flugzeug nicht versäume.

Ganz besonders freue ich mich aufs chinesische Essen.
Ein wenig Angst habe ich jedoch, dass sie mir Zombiefisch servieren.

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Das ist ein Fisch, dessen Kopf in eisgekühlte Tücher gewickelt wird, bevor der Koch ihn zubereitet. Das heißt hinten ist der Fisch gebraten, vorne atmet er noch. So hat es mir zumindest ein Kollege berichtet. Fürchterlich.

Posted by L9 at 11:47 | Comments (0)

15.11.05

Gelogen

Gestern hatte ich den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen. Weil ich gelogen habe. Nicht mit dem blinden Meerschweinchen, auch nicht mit den Schnecken und Kai-Jost, das ist alles wahr. Aber ich habe mein Image verfälscht. Ich habe mich als hübsche, blonde, großherzige Heldin dargestellt, die sich edelmütig um die Außenseiter kümmert, obwohl sie eigentlich an den angesagtesten Volksschulparties hätte teilnehmen können. Mit der die coolsten Jungs der Klasse befreundet sein wollten und die hippesten Mädchen ohnehin.

Stimmt alles nicht.

Ich war zu Zeiten, als ein sonnengegerbter Christian Anders als etwas blass gegolten hätte, bleich wie ein in Milch aufgeweichtes Toastbrot.
Ich hatte dünne, hellblonde Spagetthihaare und war so schüchtern, dass ich noch nicht mal Kakao sagen konnte.

Und zur Krönung des ganzen Übels hatte ich eine äußerst modebewußte Mutter. So bekam ich meinen ersten Maximantel, als er gerade in Paris und London modern wurde. In Linz an der Donau trugen alle noch die kurzen 60er Jahre Mäntelchen. Alle, bis auf mich. Völlig klar, dass ich mit Kai-Jost, Sabrina und blinden Meerschweinchen spielen mußte.

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Bitte verzeiht mir.

Posted by L9 at 08:21 | Comments (0)

13.11.05

Das blinde Meerschweinchen

Schon als Kind hatte ich einen ziemlichen Hang zu Außenseitern. Ob es nun die rothaarige Sabrina aus der 2B war, die mit der Pflasterbrille und der Zahnspange, oder Kai-Jost Köhler, der einzige Piefke an unserer Schule, Eltern Manager, er dick - es dauerte nicht lange und sie waren meine Freunde.

Dieser Außenseiterhang beschränkte sich jedoch nicht nur auf Menschen. Auch in der Tierwelt fühlte ich mich mehr zu Schnecken, Schlangen und Regenürmern hingezogen als zu diesen schnuckligen aber oberflächlichen Kätzchen und Hündchen.

Einmal wollte ich eine Schneckenzucht aufmachen. Ich nahm also zwanzig Schnecken mit nach Hause und steckte sie in Einweckgläser. Die Einweckgläser verschloss ich mit Küchenkrepp anstatt mit Plastikfolie. Sie sollten ja Luft bekommen die Tiere. Leider hielt das Küchenkrepp dem Schneckenschleim nicht stand, die Schnecken flüchteten und tauchten in den folgenden Wochen an den unmöglichsten Ecken in unserer Wohnung wieder auf.

Meine Mutter sprach daher ein Machtwort. Sie akzeptierte meine Tierliebe und war sogar bereit, mir eines zu schenken. Die einzige Voraussetzung: es handelt sich um ein normales Haustier, um einen Hamster oder eine Maus.
Ich entschied mich für ein blindes Meerschweinchen.

Und ich verstand es überhaupt nicht, dass keiner meine Liebe zu diesem süßen Wesen teilte. Nicht einmal meine Tante. Die schlug sogar mein großzügiges Angebot aus, das Meerschwein mit ins Bett zu nehmen, als sie mal ohne meinen Onkel bei uns zu Besuch war. Dabei meinte es ich es doch nur gut. Ich dachte, sie sei halt einsam in der Nacht.

Posted by L9 at 16:52 | Comments (0)

07.11.05

Holzheizer

Endlich der elterlichen Behütung entflohen trieb ich mich ein paar Jahre meines Lebens in abenteuerlichen Wohngemeinschaften herum. Natürlich hatten wir alle kein Geld und die Wohnungen, die wir bewohnten, waren äußerst karg ausgestattet. Das Vorhandensein einer Heizung war Luxus. Meist wurde durch Beklopfen der Wände ein Kamin gesucht und ein Kanonenofen, den irgendjemand von irgendeinem Flohmarkt oder vom Sperrmüll mitgebracht hat, angeschlossen. Kanonenöfen sind übrigens ziemlich schwer.

Ein Ofen alleine macht jedoch noch lange nicht warm. Heizmaterial war nicht nur teuer sondern vor allem umständlich zu beziehen. Das etappenweise Kaufen von 20 Liter Kohlesäcken "Wer holt die nächste Kohle" inklusive Anfahrtweg mit Strassenbahn und Schleppen in den 5. Stock führte dazu, dass wir manchem Winter in der WG-Küche am offenen Gasherd verbrachten.

Alles in allem war dies letztendlich teuer als die Kohleliefergebühren, daher beschlossen wir eines Jahres auf das unverschämt günstige Angebot eines Waldviertelbauerns zurückzugreifen. Holz für einen ganzen Winter inklusive Lieferung frei Haus für sagen wir 1500,- Schilling.

Frei Haus hieß leider "vor die Haustür". Der Holzmann kippte uns seine Lieferung mitten in Wien im 6. Bezirk in der Garbergasse vor die Füße. Abgesehen davon, dass wir einen mittleren Stau verursachten, war uns ursprünglich garnicht klar, wieviel "Holz für einen Winter" ist. Wir hatten garkeinen Platz für soviel Holz.

Aber wir waren kreativ, schließlich war einer unserer Mitbewohner an der Angewandten (= Hochschule für angewandte Kunst). Wir haben das Holz im Wohnzimmer an die Wand gestapelt und deklarierten das ganze als neuesten Wohnstil. Sogar der Wohngemeinschaftshund war fasziniert.

Leider haben wir nicht bedacht, dass Holz arbeitet. Es dauerte daher nicht lange, und der ganze Stapel fiel wieder um

Wir waren zu faul, alles wieder aufzustellen, deshalb deklarierten wir den Stapel als nächsten Schritt in Richtung Avantgarde und verbrachten den Winter dann doch wieder in der WG-Küche.

Und wenn mich nicht alles täuscht hat der kunstbewegte Mitbewohner den Stapel als Klassenarbeit zum Thema "Rauminstallation" abgegeben.

Posted by L9 at 20:19 | Comments (0)